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    Schweizer Berglandschaft

    Schweizer im Ausland: Gaumenfreuden aus der Heimat

    Über den Geschmack der Heimat macht man sich oft erst dann Gedanken, wenn er weit weg ist. Wir haben Auslandschweizer gefragt, was sie vermissen, und welche Köstlichkeiten sie sich aus der Schweiz mitbringen lassen.

    Kathrin Joost mit Ehemann

    Kathrin Joost, 35, lebt mit Mann Marc und den Töchtern Lina und Rahel seit August 2015 in Tokio. Sie stammt aus Malans, im Kanton Graubünden. «Das Erste, was uns in Tokio gefehlt hat, waren nicht Esswaren, sondern gutes Toilettenpapier. Das liegt daran, dass man in Tokio unglaublich gut und vielseitig isst. Es hat Monate gedauert, bis wir etwas vermisst haben. Das war zu meinem Erstaunen hauchdünn geschnittenes Bündnerfleisch und Appenzeller Mostbröckli – obwohl ich eigentlich kaum Fleisch esse. Als die Schwiegermutter meine Tochter Lina letzten Sommer fragte, was sie sich zum Geburtstag wünsche, war ihre Antwort: Eine grosse Packung Paprika Chips von Zweifel! Dem schliesse ich mich an. Für unsere Besucher ist das immer eine Herausforderung, ein bis zwei Familienpackungen Chips bei uns abzuliefern. Gerne lassen wir uns auch die Frione-Schokolade von Frey mitbringen, damit kann man uns auch glücklich machen!»
    Harald Braun

    Amy Stierli

    Amy Stierli, 60, hat einen in jeder Hinsicht langen Weg hinter sich: Die ehemalige KV-Stiftin aus den Bündner Bergen hat ursprünglich in einem Reisebüro in Davos gearbeitet, dann avancierte sie zur (sehr erfolgreichen) Geschäftsführerin des Reiseveranstalters Manta, der sich auf die Malediven spezialisiert hatte. Heute ist sie genau dort Mitbesitzerin der Insel Mirihi und führt darauf ein wunderbares Fünfsterneresort. Auf die Frage, welches Schweizer Produkt ihr auf den Malediven fehlt, muss sie länger nachdenken: «Nicht wirklich viel, da wir fast alles importieren können. Aber etwas gibts doch: Von Heimatbesuchen in der Schweiz schleppe ich immer massenweise Ricola-Bonbons auf die Insel. Was ich hier allerdings am meisten vermisse, hat nichts mit Essen zu tun: Es sind die Schweizer Golfplätze!»
    Harald Braun

    François-Xavier Mayer

    François-Xavier Mayer, 42, Meeresbiologe und Walschützer, betreibt seit dem Jahr 2000 auf der Insel Sainte Marie nahe Madagaskar das «Princesse Bora Lodge & Spa». Er kommt ursprünglich aus Kreuzlingen. Bevor seine Eltern sich in Montreux zur Ruhe setzten, lebte die Familie in Afrika. «Jedes Jahr fuhren wir heim in die Schweiz zum Skifahren. Der Geschmack einer heissen Ovo am Morgen, bevor es auf die Piste ging, ist meine früheste und liebste Kindheitserinnerung. Wenn wir zurückflogen nach Afrika, habe ich fast die Hälfte meines Koffers reserviert für ein halbes Dutzend Ovomaltine-Dosen – die Ration für ein ganzes Jahr. Eine Angewohnheit, die ich bis heute beibehalten habe. Wann immer ich eine Ovo schmecke, denke ich an Pulverschnee und traumhafte Abfahrten – selbst bei tropischen 30 Grad.»
    Silke Bender

    Jonas Merian

    Jonas Merian, 40, kommt aus Gais AR und ist seit 2009 Möbeldesigner in Shanghai. Zuvor arbeitete er 17 Jahre lang als Orthopädietechniker in der Schweiz, in Nordkorea und China – und vermisst gastronomisch in Asien nur eines: «Käse, vor allem Appenzeller, der würzig-nussige Geschmack meiner Heimat. Auf Dauer sind nämlich Reis, Wan Tans und Nudelsuppen, so fein sie auch sind, für mich als Käsefan nicht genug. In Shanghai fand man lange, wenn überhaupt, nur den vergleichsweise faden Emmentaler – den mag ich überhaupt nicht. Inzwischen gibt es einen, wenn nicht sogar mehrere Onlineshops, über die man sich Schweizer Käse nach Hause bestellen kann. Allerdings zu sehr hohen Preisen, da der Import wohl extrem schwierig ist. Wann immer meine Frau und ich aus der Schweiz zurückkommen, packen wir kiloweise Appenzeller, Tilsiter oder Gruyère ein. Und auch unsere Gäste bitten wir immer, welchen mitzubringen.»
    Silke Bender

    Chloé Cohen

    Chloé Cohen, 29, kommt aus Lausanne. Seit fünf Jahren arbeitet die studierte Fotografin als Digital Producer in Paris. Eigentlich, so sollte man meinen, dürfte ihr in einem Land, wo die Küche als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde, nichts fehlen. Tut es aber: «Der Migros Ice Tea Zitrone! Er ist für mich wie das Madeleine, das Schmelzbrötli, das bei Marcel Proust eine endlose Erinnerungskette lostritt. Es schmeckt nach Kindheit, nach Klassenausflügen und Wanderungen, wo meine Mutter mir immer diese kleinen Tetra Paks mit angeklebtem Strohhalm mitgegeben hat. Ich habe das Gefühl, dass ich von der Milchflasche direkt zum Ice Tea übergegangen bin. Kein anderer reicht ihm das Wasser: Für mich genau die richtige Dosis Zucker, nicht zu viel und nicht zu wenig, und ein natürlicher Zitronengeschmack – es gibt einfach keinen Ersatz. Sobald ich mit dem Auto von Lausanne nach Paris fahre, lade ich den Kofferraum voll – und meine guten Freunde wissen, dass sie mir mit einem Sechserpack die grösste Freude machen. Oder mit dieser Lieblingstasse!»
    Silke Bender

    Claudia Bates-Gut

    Claudia Bates-Gut, 49, hält auch nach über 40 Jahren in England an einigen Schweizer Rezepten fest – sehr zum Gefallen ihres englischen Mannes und ihrer beiden Kinder: «Von klein auf habe ich traditionelle Weihnachtsguetzli wie Brunsli und Zimtsterne geliebt. Heute freuen sich vor allem meine Kinder, wenn ihr Grossvater die Guetzli-Fertigteige aus der Schweiz mitbringt und wir zusammen backen. Was ich mir auch gerne bringen lasse, ist die Bon-Chef-Bratensauce, so etwas gibt es hier nicht. Sie gehört einfach zum Hackbraten. ‹Bruni Sauce› ist übrigens einer der wenigen schweizerdeutschen Ausdrücke, die meine Kinder in ihrem Wortschatz haben. Unentbehrlich in meiner Küche ist zudem die Mirador-Streuwürze als geheime Zutat für unsere Salatsauce. Dieses Rezept ist schon fast legendär über Generationen hinweg – bei meinen Freunden, den Freunden meiner Kinder sowie angeheirateten Familienmitgliedern.»
    Petra Koci

    Calvin und Flinn

    Calvin, 5, und Flynn, 3, leben mit ihren Eltern Jennifer Milsom und Markus Weidmann in Hongkong. «Falls uns Leute aus der Heimat besuchen und uns fragen, was wir uns aus der Schweiz wünschen, bitten wir sie jeweils, uns ein paar Biberli von der Migros mitzubringen. Die sollte man eigentlich immer als Vorrat haben. Aber hier kann man leider keine kaufen. Wir kriegen sie auch nicht jeden Tag – sondern meistens, wenn wir mit Mami und Papi wandern gehen. Auch hier in Hongkong hat es viele schöne Berge, fast wie zuhause – nur, dass man von jedem Berg das Meer sehen kann. Biberli sind einfach der perfekte Snack beim Sport. Papi nimmt sie oft zum Mountainbiken mit, darum haben wir immer zu wenig davon. Normalerweise bringt uns der Samichlaus ein paar Biberli mit. Wir hoffen, dass er uns auch in Asien findet!»
    Lisa von Ortenberg

    Text: Lisa von Ortenberg, Harald Braun, Petra Koci, Silke Bender
    Fotos: ZVG

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      Hintergrund
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