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    Portugiesische Petiscos

    Grüne Bohnen, die gerne Fischlein wären

    Wer in Portugal eine landestypische Kleinigkeit essen möchte, bestellt Petiscos. Und nein: Das ist nicht einfach eine Variante der Tapas aus dem Nachbarland.

    Man kann in Portugal wunderbar Häppchen essen. Bevor Ihnen nun aber das T-Wort herausrutscht: Petiscos sind kleine Gerichte, ja, man isst sie in Tavernen und Cafés und, von den Starköchen des Landes verjüngt und herausgeputzt, in letzter Zeit auch in angesagten Restaurants, doch sie sind keine Tapas. Denn, handelt es sich doch bei den spanischen Happen um eine Kleinigkeit, die auf einem Stück Brot Platz hat, ein bisweilen elaborierter Bissen, serviert zu Wein oder Bier und im Stehen verzehrt, sind Petiscos vielfach kleinere Ausführungen eines Hauptgerichts oder zumindest Bestandteil eines solchen.

    Tremoços: Eingelegte Lupinenkerne

    Tremoços: Eingelegte Lupinenkerne

    So wird aus typischen Spezialitäten wie Hühnermagen an Tomatensauce oder Schweinsohrsalat – Moelas beziehungsweise Salada de Orelha de Porco – mit etwas Reis oder Nudeln ein gängiges Mittagessen. Nicht nur der Umfang bestimmt aber, was ein Petisco ausmacht, sondern auch die Umstände, sagt Virgílio Nogueiro Gomes, ein portugiesischer Gastronom und Buchautor, der sich schon lange mit der Geschichte der Küche Portugals beschäftigt. Die Zeit der Petiscos sind der späte Vormittag und der frühe Abend, wie Gomes bestätigt.

    Rissois: Pastetchen mit Krabben- oder Fleischfüllung

    Rissois: Pastetchen mit Krabben- oder Fleischfüllung

    Sollte man Öhrchen und Innereien nicht zugetan sein, (wobei: Laden die bescheidenen Portionen nicht gerade ein, auch zu probieren, wovon man sich normalerweise fernhalten würde?), gibt es genügend andere Köstlichkeiten. Da sind etwa die Peixinhos da Horta, die Fischlein aus dem Garten, wie sich ein typisches Lissabonner Petisco nennt; grüne Bohnen, in einem Teig aus Mehl, Ei und Wasser gewendet und frittiert, ein Vorläufer, so heisst es, des japanischen Tempura. Oder die Rissois, halbmondförmige Pastetchen mit Krabben- oder Fleischfüllung. Und wenn Cafés, besonders im Süden des Landes, sommers jeweils den Hinweis «Há caracois» anbringen, kann man sich zum Bier ein Schälchen Schnecken bestellen. Die Tremoços hingegen, in Salzwasser eingelegte Kerne der Hülsenfrucht Lupine (Wolfsbohnen), haben das ganze Jahr über Saison.

    Meia Desfeita: Salat aus Stockfisch und Kichererbsen

    Meia Desfeita: Salat aus Stockfisch und Kichererbsen

    Selbstverständlich fehlt auch Bacalhau, der in Portugal omnipräsente Stockfisch, bei den Petiscos nicht. Es gibt ihn als Bolinhos de Bacalhau, frittierte Pastetchen aus Kartoffeln, Stockfisch, Ei, Zwiebeln und Petersilie, oder als Pataniscas, in denen die Masse ohne Kartoffeln zubereitet, dafür aber vor dem Frittieren in einem Teig aus Mehl und Ei gewendet wird. Beliebt ist auch die Meia-Desfeita, die «Halb-Zerfieselte», ein Salat aus Stockfisch und Kichererbsen. Was man zu den Petiscos trinkt und welches Brot man isst, sagt Foodwriter Gomes, bleibe jedem selbst überlassen. Wer aber auch hier Landestypisches probieren möchte, dem sei ein Glas Vinho Verde empfohlen, grüner Wein, und eine dicke Scheibe des Maisbrotes Broa.

    Bolinhos de Bacalhau: frittierte Stockfisch-Pastetchen

    Bolinhos de Bacalhau: frittierte Stockfisch-Pastetchen

    Text: Ümit Yoker
    Fotos: Shutterstock, Stockfood, Getty Images, iStockphoto

    Bacalhau a bras

    Bacalhau à Bras ist ein portugiesisches Pfannengericht aus Kabeljau, Eiern, Kartoffelstäbchen, Knoblauch, Oliven und Petersilie.

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    Kommentare (1)
    U. Geissbühler 03.11.2017

    saudades... am liebsten würde ich gleich hinfliegen.

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