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    Kernlose Trauben

    Kernloser Fruchtgenuss

    Beim Verspeisen süsser Früchte mögen sie stören, doch für Pflanzen sind sie unverzichtbar: Samen. Damit wir kernlose Früchte bekommen, muss die Natur bisweilen überlistet werden.

    Der Mensch hat schon früh angefangen, Pflanzen zu selektieren, die möglichst wenig Kerne enthalten. Oder die Kerne möglichst klein zu halten. Ein schönes Beispiel ist die Gurke: Die heutigen Gurken haben mittlerweile so unauffällige, unterentwickelte Kerne, dass sie beim Essen kaum auffallen.

    Weintrauben

    Bei den Trauben war ursprünglich eine Mutation für das Fehlen der Kerne in Trauben der Sorte «Thompson Seedless» verantwortlich. In der Natur hätte sich diese Pflanze nicht fortpflanzen können. Doch der Mensch pfropfte Reiser – kleine Zweige – der Pflanze auf andere Weinstöcke, sodass diese dann weiterhin kernlose Trauben trugen. Einziger Nachteil: Die kernlosen Trauben sind meist kleiner als die Trauben mit Samen. Deshalb forschte man und stellte fest, dass ein Pflanzenhormon im Kern die Frucht weiter wachsen lässt. Mittlerweile können die Rebstöcke mit dem Hormon besprüht werden, damit auch die kernlosen Früchte eine stattliche Grösse erreichen.

    Ananas

    Ein besonderer Fall ist die Ananas: Sie würde in der Natur reichlich Kerne produzieren, die sich im Fruchtfleisch verteilen. Ihr Genuss wäre beschwerlich. Beim Anbau macht man sich ein Phänomen zunutze, das die Botaniker Parthenocarpie nennen. Das bedeutet, dass die Pflanze auch dann eine Frucht ausbildet, wenn sie gar nicht befruchtet wurde. Die Frucht enthält dann auf natürliche Weise keine Kerne. Gingen Wissenschaftler früher davon aus, dass dies Verschwendung wäre, vermutet man heute, dass die kernlosen Früchte auch von Tieren bevorzugt werden. Sie fressen dann eher die kernlosen Köstlichkeiten, und die Früchte, die die wertvollen Samen enthalten, werden verschont. Bei der Ananas muss der Landwirt darauf achten, dass die Blüten der Pflanzen nicht bestäubt werden. Zudem werden auf einer Plantage meist Klone von einer Pflanze angebaut, die sich ohnehin nicht mit dem eigenen Pollen bestäuben lassen. Oft wird in Anbaugebieten dafür gesorgt, dass die Bestäuber wie Vögel oder Insekten überhaupt keinen Zugang zu den Pflanzen bekommen.

    Wassermelonen

    Besonders bei Wassermelonen sind kernlose Exemplare beliebt. Das erreicht man im Anbau, indem Saatgut zunächst mit einer bestimmten Technik behandelt wird. Dadurch wird der Chromosomensatz – das Erbgut – verdoppelt. Diese Pflanzen werden dann mit normalen Pflanzen gekreuzt. So entstehen Melonenpflanzen mit 3-fachem Chromosomensatz. Das macht die Pflanze unfruchtbar. Die Nachkommen müssen zur Ausbildung von Früchten dann nur noch mit dem Pollen einer «normalen» Pflanze bestäubt werden – ohne Pollen gäbe es nämlich keine Bestäubung und keine Früchte. Das Ergebnis aus dieser Bestäubung sind dann Melonen, die keine Kerne enthalten. Wirklich keine Kerne? Meist findet man dennoch weisse «Kerne». Aber der Eindruck täuscht, denn es handelt sich lediglich um leere Hüllen. Zu vollständigen Samen können sie nicht heranreifen. Das Fehlen der Kerne hat übrigens noch einen Vorteil: Die Kerne sind immer umgeben von sehr weichem, fast schleimigem Gewebe. Es verdirbt deutlich schneller als der Rest der Frucht. Ohne Kerne wird die Melone länger haltbar.

    Orangen, Mandarinen und Co.

    Zitrusfrüchte sind in puncto Kernlosigkeit ein schwieriges Thema: Bei den Navel-Orangen gab es wohl einen einzigen Baum, der die merkwürdigen «Nabel» gegenüber des Stielansatzes ausbildete und zudem keine Samen produzierte. Die einzige Möglichkeit, diese Orangensorte zu kultivieren, besteht durch Veredeln auf eine andere Citrus-Pflanze. Bei Clementinen konnte Züchtung einige Sorten mit wenigen Kernen hervorbringen. Zudem bilden die Bäume auch dann Früchte aus, wenn sie nicht von Insekten bestäubt werden. Werden sie bestäubt, bilden sie Samen, also die Kerne, die wir als unangenehm empfinden. In Gegenden mit viel unterschiedlichem Obst- und Gemüseanbau können oftmals Konflikte entstehen: Einerseits benötigen Imker die Citrusbäume, um den Bienen Nahrung zu bieten. Im Clementinen-Anbau stören sie und verderben dem Landwirt höhere Preise für kernlose Früchte. Andere Bauern benötigen die Bienen dringend zum Bestäuben ihrer Pflanzen, die ohne Bestäubung keine Früchte ausbilden. Zudem kann man den Bienen nicht vorschreiben, wo sie Nektar sammeln sollen. So kommt es, dass sich in einzelnen Clementinen, die eigentlich samenlos sein sollten, vereinzelt Samen befinden. Echte Mandarinen hingegen enthalten immer eine recht hohe Anzahl an Kernen. Auch wenn sie aromatischer sind, werden sie wegen ihrer Kerne immer seltener angebaut.

    Text: Claudia Schmidt

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