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Kabeljau zum Trocknen aufgehängt

Ausländer in der Schweiz: So stille ich mein Heimweh kulinarisch

Was machen Ausländerinnen und Ausländer in der Schweiz gegen kulinarisches Heimweh? Was vermissen sie überhaupt – und warum? Wir haben uns umgehört.

Romeu d'Aquino, Portugal

Romeu d’Aquino (33) aus Aveiro, Portugal

«Ich bin am Meer aufgewachsen, darum fehlt mir der Fisch natürlich am meisten. In Portugal kaufe ich Sardinen und Bacalhau direkt vom Fischer. Bacalhau ist Dorsch, der in Meersalz eingelegt wurde, um ihn haltbar zu machen. Er ist hier auch erhältlich, aber in Portugal gibt es unzählige Varianten. Meine Eltern bringen mir zweimal im Jahr Bacalhau für meinen Vorrat mit. Eine Woche vor dem Kochen wird Bacalhau täglich gewässert, bis er nicht mehr salzig ist. Wir essen ihn gedünstet, frittiert, im Ofen zubereitet oder zu Kroketten verarbeitet. Bacalhau schmeckt mir so gut, ich könnte ihn täglich essen.»

Sonja Forster, Deutschland

Sonja Forster (33), aus Dollnstein in Bayern, Deutschland

«Was ich am meisten vermisse, sind bayerische Brezen. Diese schmecken mehr nach Lauge und sind besser durchgebacken als die hiesigen Bretzeln. In Bayern essen wir Brezen zu vielen Gelegenheiten: für den kleinen Hunger von Gross und Klein, als Mitbringsel für die lieben Arbeitskollegen oder auch am Abend zur Brotzeit. Der Klischeebayer isst sie natürlich zu Weisswürsten, ich bestreiche sie mit Butter oder fülle sie mit Käse. Notfalls auch mit schweizerischem. Was Bayern gegen das Brezenvermissen tun? Sie trinken eine Mass Bier, das stillt jedes Heimweh gut.»

Maryromy Thomas Jeyasooriya, Sri Lanka

Maryromy Thomas Jeyasooriya (17) aus Jaffna, Sri Lanka

«Guave, meine Lieblingsfrucht, pflücke ich in Sri Lanka direkt vom Baum. Es gibt dort unglaublich viele Früchte, die ich sonst noch nirgends gesehen habe. Mangos, Mangostan oder Papayas sind auch in der Migros erhältlich. Ein paar weitere im tamilischen Geschäft, aber diese haben eine lange Reise hinter sich. Einmal pro Jahr schickt mir meine Oma Kleider und tamilische Früchte. Sie wählt kleine mit harter Schale, weil diese länger frisch bleiben. Auf ihr grosses Paket freue ich mich immer sehr.»

Shery Davtalab, Iran

Shery Davtalab (40) aus Teheran, Iran

«Persischer Safran fehlt mir. Das rote Gold, wie wir das Gewürz im Iran nennen, geben wir in jedes Gericht. Die Blütennarben des Safrans mahlen oder mörsern wir erst kurz vor dem Essen. Nur so bleibt der Geschmack intensiv. Vom teuersten Safran, dem Rishe Zaferan, verwenden wir auch die Wurzeln der Safranblume. Auch diese werden zermahlen. Neuen Safran schickt mir meine Schwester per Post aus dem Iran. Koche ich dann hier in der Schweiz, sagen manche, so müsse das Essen im Paradies schmecken. Das Geheimnis ist der Safran, er macht dich glücklich; darum lachen wir Iraner viel.»

Andreas Vatsellas (30) aus Athen, Griechenland

Andreas Vatsellas (30) aus Athen, Griechenland

«Zu Hause in Athen kocht meine Mutter die besten Domates Ghemistes. Das sind Tomaten aus dem Ofen, die mit Reis, Kräutern und sonstigen geheimen Sachen gefüllt sind. Gegessen werden die Tomaten kalt, erst einen Tag nach dem Backen. So schmecken sie noch besser. Zum Glück wird mein Heimweh nach griechischem Essen nie allzu stark, denn ich fliege alle sechs Wochen nach Hause. Bin ich dort, geniesse ich die Schönheiten Griechenlands umso mehr. Hier in der Schweiz allerdings darf es dafür ruhig internationaler sein: Pizza, Thai-Curry oder Röschti.»

Musa Baker, Syrien

Musa Baker (21) aus Aleppo, Syrien

«Erk-Soos habe ich schon zu lange nicht mehr getrunken. Das ist ein schwarzer Saft aus Süssholz, den syrische Strassenhändler verkaufen. Sie schlagen mit kleinen Gläsern an prächtige goldene oder silberne Krüge, um auf sich aufmerksam zu machen. Dann giessen sie den kalten Likör geschickt aus der Höhe in ein kleines Glas. Ich werde versuchen, den Saft hier herzustellen. Dazu raspelt man das Süssholz und lässt es einen Tag in Wasser stehen. Dieser Brei wird durch ein Tuch gepresst. Wir trinken Erk-Soos nach Sonnenuntergang während des Ramadans – zu unserem Frühstück.»

Severina Kurmann Martinez, Dominikanische Republik

Severina Kurmann Martinez (41) aus San Cristobal, Dominikanische Republik

«Jetzt lebe ich schon 22 Jahre in der Schweiz, doch noch immer vermisse ich die gemeinsamen Essen mit vielen Menschen. Denn in der Dominikanischen Republik sind alle Familien gross, also kocht man reichlich und stellt verschiedene Sachen auf den Tisch. Zum Beispiel Salcocho, das ist ein Eintopf ähnlich wie Siedfleisch, aber es gehört mehr rein: Rindfleisch, Ochsenschwanz, Knochen, Kochbananen, Maniok, Maisstücke und mehr. Zum Glück gibt es diese Zutaten in der Migros. Also kaufen meine Kinder, mein Mann und ich grosse Mengen ein. Und dann wird karibisch gefeiert – mit vielen Freunden aus der Dominikanischen Republik.»

Fotos: Getty Images, Ueli Bischof
Text: Ueli Bischof

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