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    Weinberg in den Schweizer Alpen

    Tour de Suisse durch die Rebberge

    Wird in der Schweiz mehr roter oder weisser Wein angebaut? Und welches sind die häufigsten Rebsorten? Hier finden Sie Antworten auf diese und viele weitere Fragen zum hiesigen Weinanbau.

    Erfahren Sie das Wichtigste über den Schweizer Rebbau: Wo unser Wein herkommt, welche Sorten angebaut werden, welche Kantone und welche Sorten dominieren.

    So viel und so viel Rot und Weiss

    Jedes dritte Glas Wein, das wir hierzulande trinken, stammt aus einheimischer Produktion – insgesamt jährlich etwa 100 Millionen Hektoliter, die auf knapp 15 000 Hektaren produziert werden. Davon sind 57 Prozent mit roten Sorten bestockt. Was den Ertrag betrifft, halten sich weiss und rot die Waage. Der Grund: Auf identischer Fläche wird von weissen Sorten in der Regel mehr geerntet als bei roten.

    Das Wallis schenkt ein

    Ein Drittel aller Schweizer Rebberge liegt im Wallis. Entlang der Rhone herrscht auch die grösste Sortenvielfalt. 30 weisse und 18 rote Varietäten werden im Erntebericht namentlich erwähnt. Dazu kommen viele weitere Sorten, von denen jeweils nur ein paar hundert Quadratmeter im Ertrag stehen.

    1500 der knapp 5000 Hektaren Gesamtanbaufläche entfallen auf Pinot noir und 590 Hektaren auf Gamay. Die beiden werden entweder sortenrein abgefüllt oder zum bekannten Dôle gemischt. Alle andern roten Sorten haben den Status von Spezialitäten. Hohen Zuwachs erfuhr in den letzten Jahren übrigens Syrah, mittlerweile wird er im Wallis auf 170 Hektaren angebaut und zudem international prämiert.

    Bei den weissen Varietäten dominiert die Chasselas-Rebe mit 52 Prozent. Aus ihr wird Fendant gekeltert. Silvaner kommt auf 15 Prozent – die daraus gekelterten Weine heissen im Wallis Johannisberg. Unter den 28 weissen Raritäten kommt der Petite Arvine ein besonderer Stellenwert zu, eine hochwertige Traube, die im Aufschwung ist. Heute stehen im Wallis 185 Hektaren im Ertrag.

    Die Waadt und der Weisse

    Chasselas-Trauben über dem Genfersee

    Die Waadt ist das Reich der Chasselas-Traube, 2280 Hektaren sind in Produktion – 60 Prozent der gesamtschweizerischen Chasselas-Anbaufläche. Vom Jahrgang 2016 entfielen zwei von drei Flaschen Waadtländer auf Weine wie Féchy, St. Saphorin und Yvorne. In der Waadt ist es Tradition, dass nicht die Sorte im Vordergrund steht, sondern der Ort der Herkunft. Chasselas-Weine spiegeln die Eigenarten der jeweiligen Bodenbeschaffenheit und des Klimas besonders gut wieder.

    Genf, hinter der Waadt drittgrösster Schweizer Weinbaukanton, profiliert sich mit Vielfalt. Die einst dominierenden Gamay und Chasselas mussten Neuzüchtungen wie Gamaret und Garanoir oder internationalen Sorten wie Chardonnay und Sauvignon Platz machen. Im Drei-Seen-Gebiet werden traditionellerweise vor allem Pinot noir und Chasselas angebaut.

    Neben der Westschweiz die Restschweiz

    In der Deutschschweiz geniesst Pinot noir als Blauburgunder eine Vorrangstellung, während Riesling × Silvaner an Terrain verloren hat. Sauvignon, Chardonnay und Weissburgunder dagegen werden zusehends beliebt. Der Weinbau im Tessin ist von der Merlot-Traube geprägt, die Anbaufläche beträgt rund 1100 Hektaren – das ergibt Platz 4 in der Rangliste der Kantone. Ein beachtlicher Teil davon wird zu Weisswein gekeltert.

    Und schliesslich eine Frage für alle, die sich nicht für Wein interessieren: Werden in der Schweiz auch Tafeltrauben produziert? Vor zwanzig Jahren startete man im Thurgau ein Projekt. Es scheiterte allerdings, denn dafür ist die Schweiz zu teuer.

    Top Ten der meist angebauten Rebsorten in der Schweiz

    1 Pinot noir (rot)

    Auch bekannt als: Blauburgunder. Anbaufläche: 4140 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 28 %. Die Nummer eins unter den Schweizer Traubensorten ist auch international ein Star. Daraus lässt sich Schaum-, Weiss- und Rotwein keltern.

    2 Chasselas (weiss)

    Auch bekannt als: Gutedel. Anbaufläche: 3790 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 26 %. Die Königin der Westschweiz. Kaum eine Sorte verkörpert stärker ihre Herkunft.

    3 Gamay (rot)

    Anbaufläche: 1340 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 9 %. Süffigkeit hat einen Namen: Gamay. Die in der Westschweiz reifende Sorte schenkt uns fruchtige, beerige Rotweine.

    4 Merlot (rot)

    Anbaufläche: 1140 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 8 %. Was wäre das Tessin ohne Merlot? Obwohl erst seit hundert Jahren heimisch, ist die Sorte der Klassiker der Alpensüdseite.

    5 Riesling × Silvaner (weiss)

    Auch bekannt als: Müller-Thurgau. Anbaufläche: 466 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 3 %. Die Deutschschweizer Antwort auf den Chasselas. Die aromatische Züchtung von Hermann Müller aus dem Thurgau reift auch in kühleren Lagen gut aus.

    6 Gamaret (rot)

    Anbaufläche: 428 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 3 %. Wer hats erfunden? André Jaquinet und Dominique Maigre von der Westschweizer Forschungsanstalt Changins. Sie kreuzten Gamay und Reichensteiner.

    7 Chardonnay (weiss)

    Anbaufläche: 369 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 2 %. Die weltweit beliebte Chardonnay wird auch von Schweizer Winzern in allen Landesteilen geschätzt. Die Besten spielen in der Top-Liga mit.

    8 Silvaner (weiss)

    Auch bekannt als: Johannisberg. Anbaufläche: 254 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 2 %. Im Wallis hat die in deutschsprachigen Ländern verbreitete Silvaner-Traube als Johannisberger einen eigenen Ausdruck gefunden: von trocken bis süss.

    9 Pinot gris (weiss)

    Auch bekannt als: Grauburgunder. Anbaufläche: 230 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 2 %. Pinot gris wird sowohl in der West- wie in der Deutschschweiz angebaut. Die Sorte braucht zur Reife beste Lagen.

    10 Garanoir (rot)

    Anbaufläche: 226 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 2 %. Garanoir ist eine Spielart von Gamaret. Auch diese Kreuzung geht auf Jacquinet und Maigre zurück. 1970 entwickelt und in der Westschweiz verbreitet.

    Autochtone Rebsorten Schweiz

    Top Ten der meist angebauten autochthonen Rebsorten in der Schweiz

    1 Gamaret (rot)

    Anbaufläche: 428 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 3 %. Dunkelfarbig, würzig und recht langlebig. Gute Abfüllung, diese Schweizer Neuzüchtung erinnert an charaktervolle südfranzösische Rotweine.

    2 Garanoir (rot)

    Anbaufläche: 226 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 1,5 %. Am Gaumen mild und mit Brombeernoten. Wie Gamaret ist auch Garanoir aus Gamay und Reichensteiner gekreuzt – und schmeckt doch anders.

    3 Petite Arvine (weiss)

    Anbaufläche: 186 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 1,3 %. Der Walliser Star unter den Spezialitäten. Und so gut, dass sich auch ausländische Winzer dafür interessieren. Typisch: leicht salziger Geschmack.

    4 Humagne rouge (rot)

    Anbaufläche: 142 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 1 %. Eine wilde Sache aus dem Wallis. Schwer bezähmbar, mal grandios, mal medioker. Humagne rouge braucht beste Lagen und ein gutes Winzerhändchen.

    5 Cornalin (rot)

    Anbaufläche: 140 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 1 %. Früher hiess er schlicht und einfach Landroter oder Rouge du pays. Die Farbe des Kornalin-Steins gab ihm den heutigen Namen. Ein Walliser Urgestein.

    6 Amigne (weiss)

    Anbaufläche: 42 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 0,3 %. Die Unterwalliser Gemeinde Vétroz ist die Amigne-Hochburg. Amigne wird trocken, lieblich oder richtig süss ausgebaut. Da heisst es genau hinschauen.

    7 Cabernet Jura (rot)

    Anbaufläche: 30 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 0,2 %. Der Wurf des Rebenzüchters Valentin Blattner aus dem jurassischen Soyhières. Kreuzung von Cabernet Sauvignon mit einer pilzresistenten Sorte.

    8 Humagne blanche (weiss)

    Anbaufläche: 29 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 0,2 %. Eine weitere Spezialität aus dem Wallis. Erstmals 1313 in Sion erwähnt. Feiner, milder Wein mit mineralischen Noten.

    9 Räuschling (weiss)

    Anbaufläche: 25 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 0,2 %. Einst auch in Deutschland weit verbreitet und deshalb nur bedingt autochthon. Was davon übriggeblieben ist, liegt am Zürichsee und Cholfirst. Kann gut altern.

    10 Completer (weiss)

    Anbaufläche: 5 Hektar. Anteil an der Gesamtanbaufläche: 0,03 %. Die paar Hektaren Reben befinden sich in der Bündner Herrschaft, allem voran in Malans. Die besten Abfüllungen vermögen Jahrzehnte zu reifen.

    Quelle: Bundesamt für Landwirtschaft 2016

    Text: Stefan Keller
    Fotos: Hans-Peter Siffert/Weinweltfoto

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