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    Marroni

    Marroni selber sammeln

    Herbstzeit ist Marronizeit. Und selbst gesammelte Marroni schmecken natürlich am besten. Rezeptautorin Annina Ciocco erklärt, wie man sie am besten findet.

    Das Tessin ist der Marroni-Kanton schlechthin: Jeder fünfte Baum hier ist eine Edelkastanie. Wandernd durchquert man ganze Hänge mit den charakteristischen Laubbäumen, die nicht höher als 1200 Meter über Meer zu finden sind. Besonders heikel wird es für mich im Herbst, wenn auf meinem Wanderweg reife Edelkastanien in ihren stacheligen Hüllen auf den trockenen Blättern am Boden liegen. Dann stellt sich mir jeweils – wie bei Pilzen oder Heidelbeeren – die Frage, ob ich mehr Zeit mit Sammeln als mit Wandern verbringen – oder ob ich sogar mein Wanderziel ganz zugunsten der Marroni ändern will.

    Landschaft im Tessin

    Nicht so heikel wie Pilze

    Dabei ist darauf zu achten, dass es sich nicht um gepflegte Selven, also bewirtschaftete Wälder, oder gar private Grundstücke handelt. Denn Früchte von solchen Flächen gehören den Eigentümern und dürfen erst nach dem 11. November, dem Martinstag, von allen anderen gesammelt werden. In der Herbstzeit fällt mir auf Spaziergängen ständig ein, was ich alles aus den Marroni machen könnte. Liegen da also Esskastanien, bleibe ich stehen, nehme einen Stock und opfere ein Tuch oder ein T-Shirt, das ich oben zu einem Sack zusammenknöpfe. Marroni sind zum Glück nicht so heikel wie Pilze. Vorübergehend kann zum Sammeln sogar ein Plastiksack genutzt werden. Idealerweise wird ein Korb verwendet.

    Annina Ciocco im Tessin

    Es geht oft recht schnell

    Um an die dunkelbraun glänzenden Edelkastanien zu kommen, darf man sich nur an die auf dem Boden liegenden Früchte halten. Marronibäume werden nicht wie Oliven geschüttelt. Reif sind nur die Früchte, die von alleine abfallen. Meist ist das zwischen Ende September und Ende Oktober der Fall. Die stacheligen Hülsen, in welchen oft eine bis drei Edelkastanien liegen, nennt man Fruchtbecher, Igel oder Cupula. Liegen diese so, dass die Öffnung nach oben schaut, drücke ich die Kastanien mit der Schuhsohle so raus, dass ich sie sammeln kann, ohne mich zu stechen. Ansonsten drehe ich einen Igel mit einem Stock um und schaue, ob noch Marroni darin eingebettet sind. Auch Kastanien, die lose in der Wiese liegen, sammle ich ein, wenn sie prall und schön sind. Es geht oft recht schnell, viele Edelkastanien zu sammeln, besonders bei gesunden und kräftigen Bäumen, welche auch einigermassen grosse Kastanien entwickeln. Die in der Schweiz vorkommenden Edelkastanien sind allerdings nicht sehr gross – das liegt an der Sorte. Zudem produzieren wilde Kastanienbäume kleinere Früchte als veredelte, also gepfropfte Bäume. Es gibt viele verschiedene Sorten, die meist nur kleinräumig angebaut werden und häufig an das Lokalklima angepasst sind.

    Annina sammelt Marroni

    Edelkastanien vs. Rosskastanien

    Die Verwechslungsgefahr mit den eher im urbanen Raum wachsenden Rosskastanien ist gering. Folgende Merkmale lassen einen die richtige Frucht in die Küche tragen: 1. Beide reifen in einer stachligen grünen Hülle. Die Hülle der Esskastanie hat aber viele spitzige Stacheln, die der Rosskastanienhülle sind kürzer, weicher und stehen nicht so dicht. 2. Rosskastanien haben nur eine Frucht in der Hülle, bei der Esskastanie sind es meist drei. 3. Die Früchte der Rosskastanie sind meist rund, die der Edelkastanie oft auf einer Seite flach. 4. Edelkastanien haben eine Spitze mit einem hübschen Pinselchen (behaarte Spitze). Rosskastanien haben keine Spitze und schon gar keinen Pinsel.

    Annina schält Marroni

    Am besten sofort geniessen

    Ob grösser oder kleiner, viel wichtiger ist, dass die Früchte nicht von Schädlingen befallen sind. Ein kleines Loch in der braunen Schale kann verraten, dass auch andere, z. B. die Larve des Esskastanienbohrers, Marroni mögen. Oft lohnt es, etwas mehr Marroni zu sammeln, da einige Früchte eh aussortiert werden müssen. Frische und sortierte Marroni sind bei 10 °C ca. eine Woche lagerbar ohne auszutrocknen. In einem perforierten Plastikbeutel halten sie im Kühlschrank etwas länger. Ansonsten empfiehlt es sich, die Marroni gleich zu verwenden, und nach einer Wanderung geniesse ich es sehr, die feinen Früchtchen einzuschneiden und einfach im Backofen geröstet mit Butter und Tessinerkäse zu verspeisen.

    Fotos: Lukas Lienhard
    Text: Annina Ciocco

    Heisse Marroni, selbst gemacht

    Heisse Marroni, wie man sie im Winter an Ständen kauft, kann man auch selber machen. Am besten mit einer Marronipfanne, aber es geht auch im Backofen.

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