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    Blutorangen, Zitronen, Limetten, Orangen und Mandarinen

    Die Geschichte der Zitrusfrüchte

    Zitrusfrüchte – auch Agrumen genannt – sind vielfältig in Geschmack und Aussehen. Grund ist ihre Familiengeschichte mit drei ganz unterschiedlichen Elternteilen.

    Lateinschüler erinnern sich: Das Adjektiv «acer» bedeutet unter anderem «sauer, herb, scharf, bitter». Dass es die Wurzel für das Wort «Agrumen» ist, passt deshalb gut. Denn Agrumen – also Zitrusfrüchte – sind je nach Sorte und Varietät mal saurer, mal bitterer, mal herber und manchmal, etwa im Fall von Kumquats, auch scharf.

    Dass diese Pflanzengattung im Gegensatz etwa zu den Äpfeln solch unterschiedlich schmeckende Keimlinge hervorbringt, ist wenig überraschend, wenn man weiss, dass es drei recht unterschiedliche Urahnen waren, aus denen sie hervorgingen.

    Die ersten schriftlich erwähnten Zitrusfrüchte waren «Chu» (Mandarinen oder Kumquats) und «Yu» (Pampelmusen). Sie kommen in einem chinesischen Text über Tributzahlungen aus dem 8. Jahrhundert vor Christus vor. Aus der süssen Mandarine und der bitteren Pampelmuse entstanden über etliche Kreuzungen im Verlaufe der Jahrhunderte die Orange, die Pomeranze (Bitterorange), die Satsuma-Clementine, die Grapefruit und die Pomelo. Dritte im Bunde war die Zitronatzitrone (Cedrat), die wiederum mit letzteren Sorten quergekreuzt wurde. So entstanden auch die Bergamotte, deren Duft Teetrinker von Earl-Grey-Tee her kennen, sowie die bei uns wenig bekannte Rangpur.

    Vieles an der Entstehung der heutigen Artenvielfalt unter den Agrumen ist noch immer unklar. Immerhin, die Heimat der Zitrusfrüchte wird heute im Gebiet südöstlich des Himalayas lokalisiert – von Nordost-Indien über Burma bis in die chinesische Provinz Yunnan. Als erste fand die Zitronatzitrone, deren Schale als Zitronat gebraucht wird, ihren Weg nach Europa, über Persien und Kleinasien – wahrscheinlich im «Handgepäck» der Truppen von Alexander dem Grossen. Um die Anfänge unserer Zeitrechnung wurde sie bereits im heutigen Nahen Osten angebaut. Sie soll darauf von den jüdischen Flüchtlingen aus Palästina über Griechenland und Italien auf die Iberische Halbinsel gebracht worden sein – so erscheint die Zitronatzitrone auch auf jüdischen Münzen.

    Seit dieser Zeit sind Agrumen aus der Küche des gesamten Mittelmeerraums nicht mehr wegzudenken. Die Römer nutzten Zitronen und Pomeranzen unter anderem in Saucen und Suppen. Die damals noch seltenen und teuren Früchte wurden aber auch medizinisch und als Mittel gegen Motten eingesetzt.

    Den Siegeszug der Orange im Mittelmeerraum sollen hingegen erst die Portugiesen ermöglicht haben. Sie brachten die Frucht von ihren Reisen nach Südostasien mit nach Hause. In Mittel- und Nordeuropa wurden Zitrusfrüchte erst im 18. (Zitronen) oder 19. Jahrhundert eingeführt (etwa die Mandarine, die Grapefruit oder die Kumquat). Bis sie bei uns in jedermanns Küche einzogen, vergingen noch einmal hundert Jahre: Erst die Industrialisierung (verkürzte Transportwege) und vor allem der zunehmende Wohlstand nach dem Zweiten Weltkrieg etablierten sie in ganz Europa. In den USA war eine Werbekampagne der Orangenzüchter aus Florida in der Zwischenkriegszeit entscheidend, um dem Orangensaft einen festen Platz auf dem Frühstückstisch zu geben.

    Heute gehören sowohl Mandarinen (Platz 5) wie auch Orangen (Platz 6) und Zitronen (Platz 8) zu den beliebtesten in der Schweiz verkauften Früchten. Der Umsatz mit ihnen alleine erbringt fast 300 Millionen Schweizer Franken. Noch liegt das nördlichste Anbaugebiet für Zitrusfrüchte in Europa am Gardasee, wo ein hübsches Städtchen und beliebter Ferienort nicht umsonst Limone heisst. Doch mit der Klimaerwärmung ist es durchaus denkbar, dass Agrumen dereinst auch in der Schweiz angebaut werden können. Die ersten werden allerdings wohl eher noch sauer und herb denn süss sein.

    Text: Roberto Zimmermann
    Fotos: Stockfood, Migusto

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    Kommentare (3)
    E. Laschet-Dueggelin 21.02.2019

    Eine sehr interessante Geschichte.

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    E. Bracher 21.02.2019

    Herzlichen Dank das war ein sehr interessanter Beitrag

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    M. Röthlisberger 21.02.2019

    Cet article est très intéressant, et très utile !!
    et je le recommande vivement.

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