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    Tavolata

    Comeback der Tafelrunde

    Die Tavolata, Inbegriff der italienischen Lebensart und der Gastfreundschaft generell, erlebt ein Comeback. Denn zusammen essen macht mehr Spass.

    Wie Perlenreihen sind die Antipastiplatten auf dem Tisch. In den Gläsern perlt Prosecco. Die Stimmung ist gut, den Gästen gefällts. Davon zeugt allein der euphonische Klangteppich aus Gekicher, Geplauder, Tellergeklapper und Gläsergeklirre: der typische Sound einer Tavolata eben.

    Das Essen als sozialer Eisbrecher

    Die grosse Tischrunde nach dem Vorbild italienischer Lebensart erlebt zurzeit eine neue Hochblüte. Zum einen laden Hobbyköche via Internet zur Tavolata, modernistisch Social Dining genannt. Zum andern Trendgastronomen, die ihre Gäste an langen Tafeln oder mittels Sharing Plates zusammenbringen wollen. Die Idee dahinter ist bei allen Konzepten die gleiche: Essen in Gesellschaft macht mehr Spass. «Heutzutage leben immer mehr Menschen alleine, wenn sie auch hochgradig vernetzt sind», erklärt Hanni Rützler, Ernährungswissenschaftlerin und Trendforscherin, den Tavolata-Boom. «Das Essen ist ein Eisbrecher.»

    Einst Inbegriff der Gastfreundschaft, scheinen Tavolata, Table d’hôte und Gästetafel heute hauptsächlich eine soziale Funktion zu haben. Nach dem Motto «Zusammen isst man weniger allein» funktioniert auch das 2010 vom Migros-Kulturprozent initiierte Tavolata-Netzwerk für Menschen im dritten Lebensalter. Über 1000 Seniorinnen und Senioren haben bereits unter tavolata.ch zu selbstorganisierten Tischgemeinschaften zusammengefunden.

    Zusammen geniessen wie in Sizilien

    Das Gemeinwohl wurzelt denn auch in der Geschichte der Tavolata. Der Begriff geht auf einen sizilianischen Brauch zurück, der heute in zahlreichen Regionen Italiens sowie in abgewandelter Form im Tessin und Aargau gepflegt wird: Am 19. März werden zu Ehren des Heiligen Joseph öffentliche und private Tavolatas, auf deutsch «Festtafeln», ausgerichtet, bei denen auch Wildfremde willkommen sind. Desgleichen ist die wohl berühmteste Tavolata eine Hommage an die Gemeinschaft: «Das letzte Abendmahl», dargestellt als Wandgemälde im Dominikanerkloster Santa Maria delle Grazie in Mailand von Leonardo da Vinci.

    Bei den heutigen Tavolatas spielt natürlich der Genuss im Sinne der italienischen Lebensart eine zentrale Rolle. Menü-Regeln gibt es keine. Auf den Tisch kommt, was schmeckt – und für möglichst viele einfach zuzubereiten ist. Fast jede Art von Pasta eignet sich prima für eine Tavolata und natürlich alles, was sich gut vorbereiten oder auf dem Grill garen lässt.

    Tavolata

    Tavolata für alle

    Tavolata, St. Moritz, 28. bis 30. Juli. An der 400 Meter langen Arventafel, die quer durch die St. Moritzer Fussgängerzone führt, werden Engadiner Köstlichkeiten nach dem Motto offeriert: «Non-Profit ohne VIPs und zu demokratischen Preisen.» Dazu gibt es zahlreiche Events, musikalische Unterhaltung und einen Markt mit erlesenen Bio-Genüssen.
    Tavolata St. Moritz

    La Tavolata, Rapperswil, 5. August, bei schlechtem Wetter 12. August. Die 500 Meter lange Tischreihe zieht sich durch die Altstadt in Rapperswil-Jona. Der Clou der Rapperswiler Tavolata ist, dass jeder an einem oder mehreren Tischen Gäste bewirten kann – von Beizern über Anwohner bis Unternehmer. Für Unterhaltung sorgen Strassenkünstler und Musiker.
    Tavolata Rapperswil

    Fondue im Park, Lausanne, 15. Oktober. Diesjähriger Schlusspunkt der kulinarischen Eventreihe «Lausanne à table» ist eine Fondue-Tavolata im Parc de Valency in Lausanne. Unter herbstlich leuchtendem Blätterdach geniesst man in bunt zusammengewürfelter Gesellschaft Fondue und süffigen Weisswein aus der Region.
    Lausanne à table


    Tavolata im Netz

    • tavolata.ch: Netzwerk für Geniesserinnen und Geniesser in der dritten Lebenshälfte.
    • socialmeal.ch: Plattform für alle, die ihr Essen mit andern teilen oder an einer Tafelrunde teilnehmen wollen.
    • margr.it: Hobbyköche und Gerne-Esser sind gleichermassen zur privaten Tavolata willkommen.
    • swisstavolata.ch: Authentische Landfrauenküche geniessen bei Bäuerinnen und Bauern.
    • gemeinsamznacht.ch: Aus Fremden werden Freunde, Gästetafel für Geflüchtete, initiiert von solinetz-zh.ch
    • eatwith.com: Internationale Plattform, auf der mittlerweile auch Angebote in der Schweiz zu finden sind.

    Fotos: Dan Cermak
    Text: Stephanie Riedi

    Seehecht mit Gemüse-Linguine

    Zum mit Kräutern, Zitronenscheiben und Knoblauch im Ofen gegarten Schwanzstück vom Seehecht passen Linguini mit Gemüse wie Cherrytomaten und Favebohnen.

    Peperoni mit Käse-Oliven-Füllung

    Es muss nicht immer Hackfleisch sein: Eine mit Reis und Mozzarella zubereitete Käse-Oliven-Füllung gibt den Peperoni, die im Ofen gebacken werden, Pfiff.

    Pizzabrot

    Mit rotem Pesto und Rosmarinnadeln wird dieses Pizzabrot, auch bekannt als Focaccia, gewürzt. Passt zum Apéro, als Party-Fingerfood oder Vorspeise.

    Olivenöl-Crostata mit Aprikosen und Mandeln

    Statt Butter oder Margarine veredelt Olivenöl extra vergine den Mürbeteigkuchen. Das macht die Crostata mit Aprikosen und Mandeln besonders fein.

    Geschmorter Fenchel mit Salami

    Originelle Vorspeise: In Bouillon mit Weisswein und Olivenöl geschmorter Fenchel wird auf Rucola angerichtet und mit feinen Salamistreifen bestreut.

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